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24-Stunden-Übung in Rülzheim

Freitag 05.09.2008 bis 30.11.1999 00:00

"Einmal sehen, wie ein 24-Stunden-Dienst einer Berufsfeuerwehr abläuft", war der Wunsch, den Wehrangehörige bei einer Dienstbesprechung im letzten Jahr geäußert hatten.
Nun können wir in Rülzheim den Dienst in einer Berufsfeuerwehr natürlich nicht eins zu eins darstellen.
Dennoch griff Wehrleiter Manfred Leingang den Wunsch der Wehrleute auf und schrieb das ?Drehbuch? für unsere 24-Stunden-Übung.
Am Freitag, um 19.00 Uhr, traten 24 Wehrleute aus Rülzheim und 1 Wehrmann aus Leimersheim, vor dem Feuerwehrhaus in Einsatzbekleidung an.
Zugführer Michael Wolff teilte die Führungskräfte und Mannschaft dem Löschgruppenfahrzeug 16/12 (LF, 9 Wehrleute), der Drehleiter 23/12 (DL/K, 3 Wehrleute), dem Tanklöschfahrzeug 16/25 (TLF, 6 Wehrleute) und dem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF, 4 Wehrleute), das derzeit als Einsatzleitfahrzeug eingesetzt wird, zu.
Somit stand ein klassischer Löschzug mit 22 Wehrleuten bereit.
Dazu wurde die Feuerwehreinsatzzentrale von einer Wehrfrau besetzt.
Wehrleiter Leingang, ein Zug- und ein Gruppenführer, versahen den Führungsdienst.
Die klassische Zeiteinteilung im 24-Stunden-Dienst sieht 8 Stunden Arbeitszeit, 8 Stunden Bereitschaft und 8 Stunden Ruhezeit vor. Einsätze nehmen selbstverständlich keine Rücksicht auf eine solche Einteilung und müssen dann bewältigt werden, wenn sie gemeldet werden.
In der vorgegebenen Arbeitszeit wurden Schläuche gewaschen und repariert, die Feuerwehrfahrzeuge gepflegt und Gerätschaften überprüft, im Feuerwehrhaus aufgeräumt und Sperrmüll weggebracht, Einsatzpläne aktualisiert und Verwaltungsarbeiten erledigt.
In die Bereitschaftszeit wurden die Mahlzeiten gelegt, die Simon Leingang, der als Maschinist im Löschzug eingeteilt war, hervorragend zubereitete.
Die Ruhezeit verbrachten die Teilnehmer auf Klappliegen, die für diesen Tag beim DRK Bellheim geordert und auch gebracht worden waren.
Die Betten wurden im Unterrichtsraum und der Doppelgarage hinter dem Feuerwehrhaus aufgestellt.
Um 19.45 Uhr kam es dann zum ersten ?Alarm?. Über die eigens von unserem Informations-und Kommunikationsmittel (iuK)- Verantwortlichen, Thomas Barth, und seinen Helfern, installierte mobile Lautsprecheranlage, ertönte ein Gong und die Durchsage hieß: ?Türöffnung in Amtshilfe für die Polizei?.
Das LF rückte dazu aus. Mit einem speziellen Gerät, einem so genannten ?Ziehfix?, wurde der Schließzylinder einer Tür entfernt, so dass, mit einer Art Bartschlüssel, der Zuhalteriegel betätigt werden konnte.
Um 22.55 Uhr rückte der Löschzug zu einer Suchaktion im Bereich der Kläranlage Rülzheim aus.
Zwei Arbeiter waren nicht nach Hause gekommen und galten auf dem Gelände als vermisst.
Verantwortliche für die Kläranlage waren ausnahmsweise nicht erreichbar (was in der Realität natürlich nicht vorkommt). Daher war der Zugang zur Kläranlage mittels Leitern über das Eingangsrolltor zu schaffen. Von innen konnte das Tor dann geöffnet werden.
Im Dunkeln wurden die Kläranlage und ihre Gebäude zu Fuß und mit Handscheinwerfern abgesucht. Von der Drehleiter aus wurden die Dächer ausgeleuchtet und abgesucht. Beide Personen konnten schließlich, nach fast einer Stunde, unverletzt gefunden werden.
Die Nachtruhe war um 04.56 Uhr zu Ende. Nun hieß es ?Chlorgasaustritt im Moby Dick?. Die entstandenen Dämpfe wurden über das Wenderohr der Drehleiter mit Sprühstrahl niedergeschlagen. Ein Trupp mit Pressluftatmern in Chemikalienschutzanzügen, drehte die Chlorgasflaschen zu. Mit Prüfröhrchen wurden Messungen vorgenommen und ein Absperrbereich festgelegt.
Die Aktion war um 06.15 Uhr beendet.
Um 08.24 Uhr galt es einen eingeklemmten Verletzten nach einem Verkehrsunfall aus einem Pkw zu befreien. Übungsplatz war der Bauhof der Gemeinde Rülzheim.
Mit hydraulischer Schere, Spreizer und Stempel, gelang recht schnell eine Patienten schonende Rettung.
Um 12.28 Uhr hieß es ?Brandalarm in der Regionalen Schule?.
An diesem Samstag fand tatsächlich ein Informationstag in der Regionalen Schule statt. Es war abgesprochen, dass die Feuerwehr dort eine Übung durchführt.
Das passte sehr gut in unsere 24-Stunden Übung.
Beim Eintreffen des Löschzuges erwarteten uns viele Besucher. Nach relativ kurzer Zeit waren zwei Personen über die Drehleiter und eine Person über eine Steckleiter aus dem 1. OG gerettet. Eine vierte Person bekam, von einem Feuerwehrtrupp unter Atemschutz, eine Fluchthaube aufgesetzt und wurde durch das verqualmte Treppenhaus ins Freie geführt. Die gelungene Übung wurde von den Zuschauern mit Beifall gewürdigt.
Nach der Übung konnten einige Besucher mit der Drehleiter einmal Rülzheim aus 30 Meter Höhe betrachten.
Der letzte Einsatz erfolgte um 15.58 Uhr auf dem Bauhofgelände. Dort galt es einen brennenden Pkw mit Schaum zu löschen.
Nach einer letzten Dienstbesprechung erfolgte pünktlich um 19.00 Uhr das Übungsende und die Einsatzbekleidung konnte endlich abgelegt werden.
Danach gab es ein gemeinsames Abendessen, zu dem auch einige Angehörige der Wehrleute kamen.
Die Müdigkeit, die allen Teilnehmern in den Knochen steckte, führte wohl dazu, dass bereits um 21.00 Uhr alle Lichter im Feuerwehrhaus gelöscht werden konnten.
Es waren anstrengende, aber sehr interessante 24 Stunden, die geprägt waren von großem Teamgeist und Engagement.

verfasst am 12.09.2008 von Miriam Geiger