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24-Stunden-Übung

Freitag 03.09.2010 um 18:30 bis 04.09.2010 18:30

Die Freiwillige Feuerwehr Rülzheim führte, gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst (MHD) Hördt-Rülzheim, eine Übung durch, die sich über 24 Stunden erstreckte. Vorbild dafür ist ein Arbeitstag, wie er bei Berufsfeuerwehren abläuft. Dies bedeutet, dass tagsüber Arbeiten in Werkstätten durchgeführt werden. Es gibt Pausen, in denen Mahlzeiten eingenommen werden können, es sind Bereitschafts- und Ruhezeiten vorgesehen. Selbstverständlich unterbricht ein Alarm jede Tätigkeit.
Um es vorweg zu nehmen. Während der Übung hatten wir keinen echten Alarm, aber jede Menge Übungsalarme.

Gruppenführer Andreas Leingang und der Ortsbeauftragte des MHD Hördt-Rülzheim, Heiko Hoffmann, hatten die Alarmübungen während der 24 Stunden konzipiert und bereiteten auch die verschiedenen Übungsplätze vor. Die nachfolgend aufgeführten "Personen" waren, bis auf zwei Übungsteile, alle durch Dummys dargestellt,
Der Freitagabend begann mit einer Dienstbesprechung von 23 Rülzheimer Wehrleuten, einem Leimersheimer Wehrmann und 5 Mitgliedern des MHD. Die Einteilung der Übenden in ihre vorgesehenen Funktionen erfolgte. Fahrzeuge und Gerätschaften wurden danach von den einzelnen Besatzungen überprüft und die Schlafplätze an verschiedenen Stellen des Feuerwehrhauses und des benachbarten Kindergartens eingerichtet.

Um 19.54 Uhr ertönte der Alarmgong, ausgelöst vom Personal der Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ), mit dem Alarmstichwort "Gebäudebrand". Angenommen war ein Brand im Bereich einer landwirtschaftlich genutzten Halle auf dem Aussiedlerhof Hubert Dudenhöffer. 2 Personen waren in der Halle vermisst.
Der Einsatzleitwagen (ELW) 1 (3 Wehrleute), das Löschgruppenfahrzeug (LF) 16/12 (9 Wehrleute), das Tanklöschfahrzeug (TLF) 20/25 (6 Wehrleute) und zwei Rettungswagen (RTW) des MHD (je 2 Frau Besatzung) rückten aus. Die Einsatzkräfte retteten unter Atemschutz die beiden Vermissten und löschten den Brand, unter Beobachtung von Wehrleiter und Wehrführer Manfred Leingang und der Familie Dudenhöffer.

Um 21.30 Uhr waren alle Fahrzeuge wieder einsatzbereit im Feuerwehrhaus und das Abendessen, wie alle weiteren Verpflegungen von Simon Leingang zubereitet, konnte eingenommen werden.

Um 23.46 Uhr war nach einem Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen auf dem Gelände der Kläranlage Rülzheim die nächste Übung zu absolvieren. Die Fahrzeuge mit den Besatzungen der ersten Übung waren wieder gefordert. Zusätzlich fuhr noch das Wechselladerfahrzeug (WLF) (2 Wehrleute) mit dem Abrollbehälter Rüst/Gefahrstoff (AB/Rüst) zur Kläranlage. Alle Fahrten zu den Übungsobjekten erfolgten in normaler Fahrweise und ohne dass Martinshorn und Blaulicht eingeschaltet waren.

Ein auf der Seite liegender Pkw, in dessen Dach ein Lieferwagen gekracht war, musste mit Keilen und Leinen gegen Kippen gesichert werden. Fensterscheiben wurden entfernt, mittels Rettungsschere Teile des Daches aufgeschnitten und der Fahrer aus dem Pkw geholt und dem MHD übergeben. Ein Kleinkind war vom Rücksitz des Pkw und der Fahrer des Lieferwagens aus dem Laderaum zu retten. Mit Scheinwerfern wurde die Übungsstelle taghell erleuchtet.

Ab 01.00 Uhr begann die Ruhezeit im Feuerwehrhaus.

Um 04.10 Uhr weckte der Alarmgong die Besatzungen des ELW, des TLF und des WLF mit AB/Rüst. Es galt einen Baum über einer Straße auf dem Klärwerkgelände zu entfernen. Beleuchtung und Motorkettensäge gelangten zum Einsatz.

Um 04.31 Uhr war für die übrigen Übungsteilnehmer die Nacht dann auch vorbei. 3 Jugendliche waren von Rülzheim nach Bellheim gelaufen, aber dort nicht angekommen. Eine Suche in vorher festgelegten Sektoren begann zunächst durch die Besatzung des LF und des Mannschaftstransportfahrzeuges (MTF) (2 Wehrleute). Schließlich waren auch der ELW 1, das TLF und die beiden RTW des MHD an der Suche beteiligt. Die 3 "vermissten Jugendlichen" wurden von 3 Wehrleuten der Grundausbildungsgruppe real dargestellt und schließlich in der Nähe der Windräder gefunden. Um 06.15 Uhr war dieser Übungsteil absolviert und es gab Frühstück.

Während reale Arbeiten im Feuerwehrhaus durchgeführt wurden, erfolgte um 10.10 Uhr, der Alarmgong "Brandmeldeanlage Moby Dick". ELW 1, LF, TLF und ein RTW rückten aus, wurden aber noch auf der Anfahrt über Funk gestoppt, da ein Fehlalarm mitgeteilt wurde. Auf der Rückfahrt erfolgte die nächste Übungsansage über einen verunfallten Arbeiter in der Kläranlage. Ein RTW fuhr dort hin. Beim Eintreffen stellte sich heraus, dass nicht nur eine Person zu reanimieren, sondern eine zweite unter einem Gabelstapler eingeklemmt war. Hierauf wurden der zweite RTW, das LF und der ELW 1 nachalarmiert. Mit einem Hebekissen wurde der Gabelstapler angehoben und die Person befreit. Ein Feuerwehrmann unterstützte durch Herzdruckmassage an einer Reanimations-Übungspuppe des MHD die Besatzung eines RTW. 2 Notärzte und ein Rettungshubschrauber wurden fiktiv angefordert.

Um 12.51 Uhr galt es eine im "Grottenloch", östlich des Helmut-Braun-Rings, verunglückte Person mit Beinbruch zu retten. Der ELW 1, als Lotsenfahrzeug, und ein RTW fuhren hin. Schnell war klar, dass wegen des unwegsamen Geländes die Person mit den vorhandenen Mitteln nicht zu retten war. Das TLF mit der Schleifkorbtrage wurde nachgefordert. Die Person wurde in die Schleifkorbtrage gelegt, diese mit Seilen den Hang zum Weg hochgezogen und zum RTW getragen.

Um 14.34 Uhr war von der Dachterrasse der Cafeteria des Braunschen Stifts eine Person nach einem medizinischen Notfall zu retten.
Der ELW 1, das LF, das TLF und die Drehleiter (1 Wehrmann), sowie ein RTW fuhren über die Lachgasse auf das Gelände des Braunschen Stifts. Mittels des Rollgliss, eine Art Flaschenzug, und der Schleifkorbtrage gelang es zügig die Person zur Erde zu bringen und der RTW-Besatzung zu übergeben.

Der letzte Übungsteil, "Brand einer Lagerhalle, 3 Personen vermisst" begann um 15.53 Uhr. Übungsobjekt war der Bauhof Rülzheim. ELW 1, LF, TLF und 2 RTW waren in die Übung eingebunden. 4 Atemschutztrupps mussten in der Halle und im Keller die drei Vermissten schnell finden. Mit über die Atemmasken gestülpten Plastiksäcken wurde den Wehrleuten real die Sicht deutlich verschlechtert. Nach wenigen Minuten war die erste Person gefunden und wurde aus der Halle gebracht. Nach und nach folgten die beiden anderen. Eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. Die drei "Vermissten" wurden wieder real von drei Wehrleuten der Grundausbildungsgruppe dargestellt. Dagegen war eine unter einem Unimog liegende Person schnell gerettet, da sie nur zur Seite gezogen werden musste. Die Besatzungen der RTW waren bei dieser Übung sehr gefordert, da 4 Verletzte zu versorgen waren und dazu zu wenig Rettungsdienstpersonal vor Ort war.
Unterstützungseinheiten der Feuerwehr und des Rettungsdienstes waren recht schnell vom Einsatzleiter fiktiv nachgefordert worden. Der Unimog, der in der Einfahrt zur Halle stand, und nicht mehr fahrbereit war, musste mit einem Greifzug heraus gezogen werden, damit das Hallentor geschlossen und eine Überdruckbelüftung zur Entrauchung des Gebäudes erfolgen konnte.

Kurz nach 18.00 Uhr erfolgte die Abschlussdienstbesprechung. Allen Teilnehmern sah man die Strapazen der vergangenen 24 Stunden an. Dennoch waren alle sehr zufrieden mit den Übungsinhalten und deren Bewältigung.

Dank sagen möchte die Feuerwehr Rülzheim allen Nachbarn des Feuerwehrhauses, für die Geduld und das Verständnis für die Geräuschentwicklungen, die durch die aufgeführten Übungsaktivitäten unabdingbar waren.

Dank auch dem DRK-Ortsverband Bellheim, der die benötigte Anzahl an Klappliegen zur Verfügung stellte.

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verfasst am 15.09.2010 von Miriam Geiger