Einsatzberichte

Schiffskollision auf dem Rhein bei Leimersheim

Freitag, 12.05.2006 von 00:08 bis 07:15
Ein mit Benzin beladenes Tankschiff war auf dem Rhein talwärts unterwegs als vmtl. die Ruderanlage ausfiel.
Steuerungsunfähig stieß es danach mit einem entgegenfahrenden Gütertransportschiff das mit Schrott beladen war zusammen.
Eine 40.000 Liter fassende Kammer wurde aufgerissen und in der Folge liefen ca. 14.000 Liter Benzin in den Rhein.
Das Tankschiff drehte sich und trieb auf eine Buhne auf der es sich mit dem Bug fest setzte.
Das Gütertransportschiff setzte mit eigener Kraft seine Fahrt in den Karlsruher Hafen fort.
Verletzt wurde niemand. Beide Schiffe wurden beschädigt.
Zunächst wurden die mit Booten ausgestatteten Feuerwehren Leimersheim, Wörth, Maximiliansau, Jockgrim, Neupotz und Germersheim alarmiert.
Das Leimersheimer Mehrzweckboot fuhr vom Yachthafen aus auf den Rhein, wurde aber sehr schnell zurückgerufen, als ein zu Fuß von der Rheinfähre aus in Richtung Havariestelle, ca. 800 Meter oberhalb, vorgehender Feuerwehrtrupp mit einem Ex-Meter (Messgerät) eine explosionsgefährliche Konzentration in der Luft feststellte.
Einsatzleiter Hans-Jürgen Lugscheider, Jockgrim, in Vertretung von Kreisfeuerwehrinspekteur Simon, ordnete an, dass das Tankschiff nur mit dem Wind angefahren werden durfte, also aus Richtung Süden.
Vorgehende Trupps mußten Atemschutzgeräte tragen und waren mit Ex-Metern ausgestattet.
Rheinabwärts gelegene Wehren sperrten Hafenbereiche und Altrheinarme in Germersheim, Römerberg und Speyer ab.
Die Feuerwehren des Landkreises Karlsruhe wurden ebenfalls alarmiert und wurden sichernd und messend tätig.
Der Gefahrstoffzug des Landkreises wurde nach Leimersheim gerufen. Somit wurden zu den genannten Wehren auch Einheiten aus Kandel und Rülzheim tätig.


Die Einsatztätigkeit der Feuerwehren konnte sich in diesem Fall nur auf
Messen, beobachten und sichern beschränken.
Eine Aufnahme des Benzins auf dem Rhein war nicht möglich.
Weiterer Stoffaustritt wurde durch die schnell handelnde Besatzung des Tankschiffes durch Umpumpen in eine unbeschädigte Kammer verhindert.
Die Einsatzleitung, zu der nach und nach Landrat Dr.Fritz Brechtel , Bürgermeister Karl Schwindhammer, Ortsbeigeordneter Herbert Mühlbauer und leitender Notarzt Dr. Wölfel hinzu stießen, wogen bezüglich der Warnung der Bevölkerung ab, ob Lautsprecherdurchsagen gemacht werden.
Man entschloß sich, auch in Absprache mit der Polizei, in der Nachtzeit keine Lautsprecherdurchsagen zu machen. Über Radiosender wurden Warnhinweise Türen und Fenster geschlossen zu halten gegeben.
Einige Bürger Leimersheims informierten sich über Notruf bei der Polizei Germersheim über den Grund des starken Benzingeruchs.
Die explosionsgefährlichen Benzindämpfe verflüchtigten sich recht schnell.
Die Gesundheitsgefahr wird in der Fachliteratur als leicht bezeichnet. Vereinzelt kann es zu Kopfschmerzen und Hautreizungen kommen. Schädigungen sind bisher keine bekannt.
Die Messungen der Feuerwehren in Bezug auf Explosionsgefahr ergaben nach einiger Zeit keine bedenklichen Werte mehr. Nachdem kein Stoff mehr austrat zeigten die Geräte „0“ Ex-Gefahr an.
Der starke Geruch in der Luft blieb jedoch noch einige Stunden und zog in westlicher Richtung auch nach Kuhardt und Rülzheim.
Der Führer des Tankschiffes forderte das Löschboot der Berufsfeuerwehr Mannheim an, da dieses entsprechend den Vorschriften beim Umpumpen von Gefahrstoffen
einen Ex-Schutz hat. Ein solches Boot steht den Feuerwehren im Landkreis nicht zur Verfügung.
Nachdem Teile der Ladung in ein anderes Tankschiff umgepumpt worden war, konnte das beschädigte Tankschiff alleine in den Karlsruher Hafen fahren.
Die Schifffahrt war bis gg. 10.30 Uhr voll gesperrt.
Insgesamt waren etwa 200 Feuerwehrleute, Polizisten und Mitglieder der Schnelleinsatzgruppen des DRK zu beiden Seiten des Rhein im Einsatz.

verfasst am 12.05.2006 von Miriam Geiger